Färben mit Birkenblättern und Rinde

Getrocknete Birkenblätter

Getrocknete Birkenblätter

Die Birke (Betula pendula/ B. pubescens) treibt frisch und kräftig ihre leuchtend grünen Blätter aus und begrüßt den Frühling. Schlank und hochgewachsen ist sie mit ihrer weißen Rinde leicht von allen anderen Bäumen zu unterscheiden. Sie gibt uns vieles, Birkensaft und Birkenblättertee, Rinde um Gegenstände daraus zu formen, Holz um zu heizen und sogar einen Süßstoff kann aus ihr gewonnen werden (Xylit). Die Birke ist ein Pionierbaum, sie wächst auf Brachen und bereit den Ort für die nächsten Pflanzen vor, die kommen mögen.

So passt es ganz gut, dass es die Birkenblätter waren, die mich dazu verleiteten wieder das Färben mit Pflanzenfarben aufzunehmen. Im April fand ich auf einem Ausflug in die Prignitz am Rande einer Birkenallee etwas Beschnitt. Angehalten, aufgesammelt.

Kupferessig

Kupferessig

Die Blätter habe ich abgestreift und trocknen lassen. Mit dem guten Berliner Leitungswasser ist das ganze über Nacht eingeweicht und dann eine Stunde gesiedet. Das Pflanzenmaterial habe ich in eine alte Mullwindel angeseiht, abgebunden und mit in den Färbetopf getan.

Pflanzenamterial abseihen

Pflanzenamterial abseihen

So habe ich gefärbt:

1. Zug – 50g Hey Mama Wolf ‚Schafwolle #03‘, hellgrau, mit Kupferessig gebeizt – 60% Birkenblätter – 1 St. bei ca. 80 °C

2. Zug – 30g Hey Mama Wolf ‚Schafwolle #03‘, weiß,  mit 8% Alaun kalt gebeizt – 1 St. bei ca. 80 °C

Von beiden Zügen habe ich jeweils zwei Teile abgetrennt und mit Eisenessig bzw. Kupferessig nachbehandelt. Bekommen habe ich strahlende warme Gelbtöne, gebrochenes Grün und helles Grün (siehe Bilder).

birke rinde und blaetter

Links gefärbt mit Birkenrinde, rechts mit Blättern

Die Rinde habe ich von den dickeren Ästen abgeschält (der Bast ist der Teil, der die meiste Farbe abgibt) und die kleinen Zweiglein zerbrochen. Insgesamt hat das Material drei Tage im Wasser gelegen und hat dann noch drei Stunden gesiedet. Diese Prozedur ergab eine schöne dunkle Brühe. Da die Zweige recht viel Platz wegnehmen, habe ich sie direkt entsorgt und nicht ins Färbetuch eingebunden.

birkenrinde topf

Birkenrinde und kleine Zweige

Gefärbt habe ich ebenso wie bei den Birkenblättern. Ich habe auf rötlich-rosa Töne gehofft und bin sehr glücklich über das Ergebnis. Wunderschön! Warme, bräunliche Rottöne von zart bis dunkel. Herrlich. Und wie immer bei dem Färben mit Pflanzen harmonieren die Farben untereinander, auch die der Rinde und der Blätter, perfekt.

Lins Alaun gebeizt, rechts Kupfer gebeizt

Links Alaun gebeizt, rechts Kupfer gebeizt

Was ich besonders schön finde beim Färben mit Birkenblättern wie bei der Rinde, sind die Gerüche. Fruchtig-herb und ganz verschieden sind die beiden.

Färbungen mit Birkenblättern kann ich gut empfehlen auch für diejenigen, die mit dem Färben gerade anfangen. Birkenblätter sind leicht zu sammeln oder als Beschnitt zu finden. Auch im Kräuterhandel und sogar in der Apotheke sind Birkenblätter erhältlich. Die Resultate sind intensiv und recht gut vorhersehbar (mit einer Alaunbeize ein kräftiges, warmes Gelb).

Heute waren wir wieder in der Prignitz unterwegs und auf einem verwilderten Grundstück habe ich einen wundervollen riesigen Weidenbaum gefunden, den der letzte Sturm umgeworfen hat. Mein nächstes Färbeprojekt.

Ein bunter Korb Farbe von nur ein paar Ästen eines Baumes

Ein bunter Korb Farbe von nur ein paar Ästen eines Baumes