Selbstversorgung! Eine Matratze aus Wolle Part 1

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Selbstversorgung ist ein großes Wort. Ich kann einiges selber herstellen, was ich für das Überleben brauche, doch nicht alles und bestimmt nicht alleine. Da stoße ich als 1,60 m Mensch mit nur 24 Stunden am Tag doch schnell an meine Grenzen (Ich enferne gerade viel Thujen aus dem Garten und da wünsche ich mir oft ich wäre der unglaubliche Hulk.). Doch Selbstversorgung heißt nicht ausschließlich Gemüse anbauen und Eier bei den Hühnern einsammeln.

Wir pendeln zur Zeit zwischen Berlin und unserer Mühle und so brauchen wir dort jeweils einen Schlafplatz. Auch ein Gästbett muss her. Und da braucht es Matratzen. Am besten für kleines Geld, denn das Große soll ja in die Mühle fließen. Bei der Recherche nach günstigen, zu annehmbaren Bedingungen hergestellten Matratzen habe ich schnell aufgegeben und wollte schon zu dem bekannten Möbelhaus fahren. Stop. Ich verbringe fast mein halbes Leben auf dem Ding, sollte ich das nicht selber machen können? Ich erinnerte mich dunkel, auf Instagram eine Frau gesehen zu haben, die ihre eigenen Matratze aus der Wolle ihrer Schafe gemacht zu haben. Leider konnte ich sie nicht mehr finden, aber meine ausführliche Recherche zum Thema ist hier zu finden.

Wenn ich mir soetwas überlegt habe, möchte ich auch gleich anfangen. Und – tada! – ich hatte auch alles da um meine eigene Matratze zu machen! Nun dachte ich mir, ich fange ersteinmal klein an. Zum ausprobieren. Seit mehreren Jahren steht bei uns ein nackter Schaukelstuhl herum, der für meinen Schwiegervater bestimmt ist. Ich bin nie dazu gekommen, ihn zu reparieren. Er hat endlich ein Kissen in Matratzentechnik bekommen. Als nächstes folgt die Husse für die Lehne.

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Und so habe ich mein Wollkissen gemacht: Ich habe die Sitzfläche ausgemessen und zwei Stücke in der Größe aus pflanzengefärbten alten dicken Leinenstoffen zugeschnitten. Wobei die oben liegende Seite aus 4 Stücken zusammengesetzt ist. Für die Seiten habe ich 4 Stücke in entsprechender Länge zugeschnitten mit 6 cm Breite. Die Seitenstücke habe ich an das untere große Stück gesetzt, die Ecknähte geschlossen und das obere Stück an einer Seite angenäht. Wegen der Haltbarkeit und weil ich sie mag mit französischen Nähten. So entsteht eine Art Box.

In die Box hinein habe ich zu unterst zwei Lagen Vorfilz gelegt.

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Darauf eine Schicht kardierte Wolle und dann sehr viel Polstererwolle. Bis das ganze etwa dreimal so hoch war, wie die gewünschte Höhe, also ca. 20 cm. Darauf nochmals kardierte Wolle und zwei Lagen Vorfilz.

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Die zu schliessenden Seiten hatte ich vorher umgebügelt, so dass ich dann die Seiten mit Sicherheitsnadeln zusammenpinnen konnte.

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Die Seiten habe ich per Hand mit dem Matratzenstich (ha! Ich habe mich schon immer über den Namen dieses Stiches gefreut. Gibt es beim Stricken auch.) geschlossen. Ich hatte nur dünnes Maschinennähgarn da, das habe ich doppelt genommen. Quilt- oder Knopflochgarn ist sicherlich besser. Dieses Zusammennähen war der einzige Teil, der etwas länger gedauert hat.

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Um die Wolle an Ort und Stelle zu halten, brauchen Matratzen in regelmäßigen Abständen Stiche durch die ganze Höhe. Interessanterweise besitze ich ein ganzes Arsenal an Polsterernadeln. Geerbt von meiner Urgroßmutter Trudi. Wer weiß, vielleicht wusste sie noch, wie sie Matratzen machen kann. So hatte ich also eine entsprechende Nadel zur Hand und habe mit weißem Häkelgarn fünf solche Stiche gesetzt. Auf der Rückseite habe ich sie mit einem Semmannsknoten (Kreuzknoten) geschlossen. So wird das auch manchmal beim Quilten gemacht.

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Yeah, geschafft. Eine Runde sich freuen und Stolz sein. Es ist gar nicht so schwer zu machen, so ein Matratzenkissen. Ich habe etwa 5 Stunden gebraucht (ich mag nicht sehr gerne mit der Hand nähen, andere sind da sicherlich schneller).

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Mein Kissen macht sich gut auf dem Schaukelstuhl. Es ist etwas locker gefüllt und recht flach. Eine Matratze würde ich etwa 3 mal so dick machen. Und so schön ich es finde, Polstererwolle zu nehmen, ist sie nicht ideal für eine Matratze. Die Polstererwollen sind praktisch die Abfälle aus der Wollproduktion. Alles was nicht zu Strickwolle, Decken oder Filz verarbeitet werden kann. An sich super, wenn es dann doch eine Verwednung hat. Für Kissen geht das gut, für eine Matratze würde ich doch kardierte Wolle nehmen, die ist nicht ganz so hart und piekst sich nicht durch den Stoff. Ich überlege auch, ob ich für unsere Matzarten einen Stroh- oder sogar einen Latexkern einsetze. Das mit dem Strohkern werde ich als nächstes ausprobieren. Wir haben noch so ein hässliches großes Sofa vom Vorbesitzer geerbt. Das eignet sich eigentlich super als Gästebett und Kindertobeort.

 

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Mühlenneuigkeiten: Obwohl es nur vier sind, haben die Hühner alles vollgekotet. Ausserdem will ich ja bald sähen um zu ernten und nicht die Hühner mit Samen füttern. Also habe ich einen Totholzzaun (Benjeshecke) im Hof gebaut, den die Hühner hoffentlich akzeptieren (besonders hoch ist er nicht). Fügt sich sehr schön ins Bild ein. So sind hatten die vier Hennen einen Auslauf von geschätzt 500 m² unter den Obstbäumen. Ach ja, und wenn sie lustig sind, können sie im Wald spazieren gehen. Ich denke das reicht. Der Milan kam schon vorbei und wollte sich ein Huhn krallen. Wir konnten es gerade noch retten. Ein anderes tauchte eines Abends nicht mehr auf. Da waren’s nur noch drei…

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Das Holz für die Totholzhecke habe ich von den 5 riesigen Thujen (oder sonstige Koniferen), die ich abgerissen habe. Unglaubliche, schöne Pflanzen. Aber leider genau dort, wo ich mein Gemüse anbauen will.

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Und ehrlich, ich mag sie nur sehr bedingt. Es ist auch nicht so, dass ich jetzt keine Thujen mehr hätte, nein nein. Da ist noch ein Thuja-Baum und daneben eine 10 m Thujahecke. Die Hecke werde ich ersetzen mit sinnvolleren Pflanzen (sprich Hecken, die Früchte tragen) und mit einer weiteren Totholzhecke. Denn die Hecke hält an dieser Stelle den Wind ab. Holz für weitere Hecken dieser Art habe ich jedenfalls genug. Wir haben als sie an der Landstraße vorne eine uralte Kastanie fällten, den Baum gekauft für ’n Appel und ’n Ei. Leider haben wir vergessen, dass der ganze Baum zu einem großen Teil aus kleinem Geäst besteht, das sich nur bedingt als Brennholz eignet. So habe wir jetzt eine Menge Biomasse rumliegen. Tja, und da der Thujabaum direkt vorm Haus steht und die Räume beschattet, wird er auch gefällt. Das Holz eignet sich wohl sehr gut zum bauen. Er wir also sicherlich nicht einfach verfeuert. Und eine Thuja bleibt stehen – auf den Wunsch unserer Tochter habe ich in eine, die schon eine Hausform hatte, eine Tür und ein Fenster geschnitten. Fertig ist das Spielhaus!

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Obwohl es Februar war und regnete und hagelte, waren wir die meiste Zeit draußen. Die Kinder am Bach und von oben bis unten im Schlamm. In den letzten Tagen war es dann so schön, das wir schon im Hof Mittag essen konnten. Die männlichen Mühlen-Bewohner und Besucher tun auch etwas drinnen. Schornsteine abreißen, Wände und Decken freilegen zum Beispiel. Dabei haben wir festgestellt, das wir in den einzigen zwei Räumen, die der Vorbesitzer renoviert hatte, den gesamten Lehm bis auf die Steine abkloppen müssen. Zuviel Ölfarbe in den Zwischenschichten. Der Kleinste Mühlenbewohner freut sich daran, dass er mit seinem Hammer Löcher in die Wände machen darf. Ich bin schon gespannt aufs Putzen mit Lehm.

Gesäht habe ich auch schon. Kohlrabi, Coreopsis, Knoblauch und Ziwebeln. Im Garten habe ich beim buddeln und aufräumen einiges entdeckt: Winterlinge, Schneeglöckchen und Krokus sind schon da. Fette Henne, Forsythie, Salbei, Clematis, Frauenmantel, Hauswurz, Oregano, Rosamarin und eine Menge Rosen habe ich entdeckt. Drei Holunder habe ich vom hinteren Teil des Grundstücks versetzt auf den Hof und in Nähe des Bachs, wo wir einen Schuppen abreissen mussten. Es wird, es wird…

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