Wolle und Wolle

Von oben links: Texel, Schwarzkopf aus Brandenburg, Coburger Fuchs, Swaledale, Finn aus Smaland, Gotland aus Lüneburg, Blue Faced Leicester, Corriedale, Jakobs

Von oben links: Texel, Schwarzkopf aus Brandenburg, Coburger Fuchs, Swaledale, Finn aus Smaland, Gotland aus Lüneburg, Blue Faced Leicester, Corriedale, Jakobs

Es gibt Menschen, die vertragen keine Wolle, es kratzt. Glücklicherweise gehöre ich nicht dazu. Ich kann jede Wolle tragen. Daher komme ich in den Genuß, dieses unglaubliche Material und alle seine Möglichkeiten voll auskosten zu können. Denn Schafwolle ist nicht gleich Schafwolle. Da ist die heute so begehrte Merinowolle. Sie ist weich und kuschelig. Dafür jedoch auch recht matt. Was ich durchaus schön finde.

Doch selbst Merinowolle ist nicht gleich Merinowolle. Es gibt die superfeine und die etwas gröbere, eine weite Spanne. Der größte Teil der Merinowolle kommt aus Australien und Neuseeland. Sie hat also einen weiten Weg zurückgelegt, bevor sie hier in Europa in den Handel gelangt. Außerdem wird dort Muelsing praktiziert. Eine unschöne und für das Schaf sehr schmerzhafte Prozedur. Auch die Wolle für Hey Mama Wolf kommt teilweise von Merinolandschafen. Diese Rasse produziert allerdings nicht die superfeine Wolle wie die australischen Merinos. Weichheit ist jedoch nicht das einzige Qualitätsmerkmal, dass ich bei einem Garn bewerte. Die weniger weichen Garne haben dafür andere Vorteile. Sie sind beispielsweise belastbarer. Sie halten also mehr aus, bevor sie sich abnutzen. Das ist besonders gut für Socken oder Jacken (keine dünnen Stellen an den Ellenbogen oder Bündchen). Die Wolle von anderen Schafrassen wie Schwarzkopf, Bluefaced Leicester und Wensleydale haben einen höheren Glanz und geben damit Farben sehr viel leuchtender wieder. Teeswaterschafe haben eine Wolle, die an Mohair (das von den Angoraziege stammt) erinnert. Die Feinheit der unterschiedlichen Wollen ist dabei sehr unterschiedlich. Teilweise so weich wie Merino, teilweise für einige zu rauh um sich daraus etwas zu stricken, was in Kontakt mit der Haut kommt.

Maschenproben aus unterschiedlicher Schafswolle mit gleichem Muster, von oben: Teeswater von Blacker Yarns, Hey Mama Wolf 3-fädig bio, Texel 3 fädig von der Insel Texel

Maschenproben aus unterschiedlicher Schafswolle mit gleichem Muster, von oben:
Teeswater von Blacker Yarns, Hey Mama Wolf 3-fädig bio, Texel 3 fädig von der Insel Texel

Schafe wurden vor ca. 9000 Jahren domestiziert. Seitdem sind hunderte neue Arten entstanden. Wenn wir Wolle von verschiedenen Schafrassen nutzen, tragen wir zum Erhalt dieser Rassen und damit der Artenvielfalt unserer Nutztierrassen bei. Dazu schaffen wir uns eine große Palette an kreativen Möglichkeiten, denn die eine Wolle eignet sich eben besser für dieses und die andere für jenes.

Jedoch nicht nur die Rasse hat Einfluss auf die Wolle. Auch die Art der Haltung, was die Tiere zu futtern bekommen, wie alt das einzelne Schaf ist, wann es geschoren wird und ob es im Winter im Stall steht oder draußen.

Noch ein paar Fakten und Zahlen zur Wolle:

  • Wolle kann 30 % des Eigengewichts an Wasser aufnehmen und immer noch trocken und warm halten. Deshalb wurde und wird sie so gerne von Fischern getragen.
  • Wolle ist wasserabweisend. Noch ein Grund für die Pullover der Fischer. Je höher der Wollfett- (Lanolin) Anteil desto mehr. Überhosen für Stoffwindeln sind daher idealerweise aus Wolle.
  • Wolle ist antistatisch. Dadurch weist sie Schmutz praktischerweise selbst ab. So braucht man Wollkleidung oft nur für einige Zeit in die Luft hängen und schon ist sie wieder frisch. Selbst nach einem rauchigen Kneipenbesuch. Synthetische Fasern dagegen ziehen den Staub der Umgebung an.
  • Wollfasern brechen nicht so leicht wie zB. Baumwolle, dadurch ist sie strapazierfähiger.

 

Handspindel aus Pflaumenholz, Schwarzkopf und Cochenille gefärbtes Blue Faced Leicester

Handspindel aus Pflaumenholz, Schwarzkopf und Cochenille gefärbtes Blue Faced Leicester